• FRANK MERKL

Per du oder perdu?

Aktualisiert: Mai 27

Vom Umgang in der Werbung.



Duzen Sie schon oder Siezt du noch? In Agenturen wird fleißig geduzt. Intern auf jeden Fall. Man hat sich lieb und möchte den ganzen Tag nicht mehr aus Småland abgeholt werden. Ein „Du“ verringert den Abstand. Man kann offener miteinander reden. Vielleicht auch mal gnadenlos, schonungslos sein. Es bedeutet: Wir haben die Buddy-Ebene erreicht. Umtriebige Kundenberater hängen sich ihre „Dus“ mit Kunden wie Trophäen in die trockene Büroluft, während die Kreativen in Meetings meist froh über jede Siezgelegenheit sind. Wenn sie denn Kunden überhaupt direkt ansprechen dürfen – Berater so: „Let me do the talking“. In Gesprächen werden sie häufig schnell zu Namenlosen. Die Anonymen Kreativen. „Ich geb das mal an die Grafik weiter“, ist ebenso oft gehört, wie „da geht der Text noch mal final drüber“. Kaum ein Kunde mag sich deshalb heute noch die Mühe machen, eine persönliche Beziehung zu einem Arter oder Texter aufzubauen. Und genauso wird dann auch mit deren Arbeit verfahren. „Ihnen gefallen die Farben Ihres CD in dem Layout nicht? Kein Thema … in der Grafik machen die einfach neue Farben rein.“ Schnell wird mal mit dem Kunden beim „Call“ das Konzept etwas „aufgejazzt“. Sinn? Strategie? Egal. Hauptsache, der Kunde mag es und der Berater hat seine Ruhe. Dann kann man auch schnell wieder auf die Buddy-Ebene einschwingen. „Hast du morgen Zeit für Business-Lunch, dann können wir mal über die Entwürfe drübergehen.“ Wer das „Du“ hat, hat die Macht.

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