• FRANK MERKL

Es gibt Reis, Baby.

Aktualisiert: vor 3 Tagen


Schon als Kind wusste ich: Uncle Ben’s Reis klebt nicht. Dank der Werbung. Ich hatte zwar keine Ahnung, was „parboild“ bedeutet, aber es klang wichtig. Uncle Ben auf der Packung sah nett aus. Für mein neunjähriges Ich wäre zwar ein Chinese sinnvoller auf einer Packung Reis gewesen als ein Schwarzer, aber Rassismus ist eben eine Frage der Sozialisation.

Was wusste ich Dreikäsehoch da schon über die tieferliegende Bedeutung des Wortes „Uncle“ für einen Afro-Amerikaner. Ein Onkel war für mich immer durchweg positiv belegt – „Böhse Onkelz“ betraten erst ein paar Jahre später die Bühne. Ich kannte noch nicht mal den Roman „Uncle Tom’s Cabin“. Die Jahre vergingen. Ich hatte inzwischen den Roman gelesen und etliche Packungen von Uncle Ben’s Reis verdrückt. Mir war mittlerweile also durchaus bewusst, für was „Uncle“ steht. Habe ich diesen Reis deshalb mit einem anderen Bewusstsein verdrückt? Nein. So ähnlich ging es vermutlich vielen meiner deutschen Mitbürger. Jetzt hat Mars Foodservices plötzlich beschlossen: Die Marke Uncle Ben’s ist rassistisch und das passt nicht mehr. Moment … nach über 70 Jahren fällt denen auf einmal auf, dass es eventuell nicht okay sein könnte, Reis über ein Stereotyp zu verkaufen, das im ursprünglich wichtigsten Absatzmarkt definitiv als verächtlich machend gilt. Im gleichen Atemzug soll auch noch eine Tante aus der Werbung verschwinden. Bei uns ist die Marke Aunt Jemima weitgehend unbekannt, aber das gleiche Problem betrifft auch sie. Beide Marken zu erneuern wird definitiv teuer. Das macht ein multinationaler Konzern nicht einfach mal so. Wäre das auch passiert, ohne die BLM-Bewegung und den Tod von Georg Floyd? Egal. Struktureller Rassismus beginnt genau da und Unternehmen müssen in dieser Hinsicht verantwortungsvoll handeln. Also weg damit. Bin gespannt, wie sie die Kuh markentechnisch vom Eis bringen. Was, wenn man auf die naheliegende Idee kommt, es einfach Ben’s Rice zu nennen und einen älteren weißen Herrn ins Logo zu packen. Zumindest müsste man die einigermaßen bekloppte Story wie es ursprünglich zu dem Namen kam nicht groß ändern. Fetter Zwinkersmiley

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